5 Gründe für ein Sabbatical vor dem Karrierewechsel

5 Gründe für ein Sabbatical vor dem Karrierewechsel

Sich für mehrere Monate ins Sabbatical verabschieden. Eine Auszeit nehmen heißt, den Alltagsstress hinter sich lassen und in Ruhe über den nächsten Karriereschritt nachdenken. Ebenso gehört Reisen, Neues ausprobieren, Menschen aus anderen Ländern treffen dazu. Es gibt viele Gründe für ein Sabbatical. Seit dem Talentif-Interview mit Niv Nobacht wissen wir, wie wichtig eine Auszeit ist, um Klarheit über die eigenen Stärken und Interessen zu bekommen.

Sabbaticals und der Karrierewechsel

Alle unsere Interviewpartner, die ihren Karrierewechsel mit einem Sabbatical begannen, bestätigten, wie hilfreich der Schritt war. Ein Gesprächspartner aus der Versicherungsbranche begann ein Studium und entschied sich nach seinem Sabbatical-Jahr für die Kündigung, um das Studium zu beenden. Ein Berufstätiger aus Frankfurt arbeitete probeweise für 3 Monate im jungen Finanzsektor in Myanmar und startete kurz nach dem Sabbatical in der Berliner Fintech-Branche. Ich selbst tauchte in meinem 4-monatigen Sabbatical in die Bankenregulierung in Asien ein sowie in den Mikro-Versicherungssektor in Südamerika und entschied mich, in meinem alten Berater-Job zu bleiben.

Besonders wertvoll ist die Auszeit für Berufstätige, die sich noch nicht sicher sind, ob die berufliche Veränderung das Richtige ist. Gleichwohl wertvoll ist sie für diejenigen, die auf der Suche nach einem passenden Beruf oder einer beruflichen Neuausrichtung sind. Wir zeigen in fünf Punkten, warum.

1. Zur Ruhe kommen

Eine berufliche Veränderung braucht Zeit. Zum einen, weil man sich oftmals jahrelang im gleichen beruflichen Umfeld bewegen. Zum anderen, weil berufliche Veränderung ein up and down von Visionen, testen, zweifeln, weitermachen ist. Häufig ist es so, dass andere Berufe, neue Trends und Abenteuer unbemerkt an einem vorbeiziehen. Das ist gut für den Fokus im aktuellen Beruf. Die Erkenntnisse fehlen aber bei der Suche nach beruflichen Alternativen. Eine mehrmonatige Auszeit hilft dabei, ‚runter‘ zukommen. Erst nach den Auszeittagen tritt Erholung ein und die lange Zeit ermöglicht Reflexion, Gelassenheit und den Blick auf sich selbst. Wer schon längere Reisen unternommen hat und in die Kultur eintauchte, weiß, dass neue Ideen und Visionen von alleine kommen. Ein Sabbatical ist eine hervorragende Gelegenheit, Klarheit darüber zu bekommen, wo die Stärken liegen und wie die berufliche Zukunft aussehen könnte.

2. Neues ausprobieren und unverbindlich Erfahrungen sammeln

Neue Länder bereisen.  Erst mit dem Finger auf der Landkarte, mit Videos in der Bahn und dann mit dem Rucksack auf dem Rücksitz.

Ländererfahrung: In andere Kulturen eintauchen und mitarbeiten. Ein Sabbatical ist eine hervorragende Gelegenheit, in anderen Ländern zu arbeiten. Auch zu testen, ob man in Shanghai, Dubai, Abu Dhabi; in Südafrika, Kenia, Mexiko; oder in Frankreich, Irland oder den USA längerfristig arbeiten möchte.

Branchenerfahrung: Ein Kurzpraktikum oder die Mithilfe bei NGOs, gemeinnützigen Initiativen oder Stiftungen wäre eine Möglichkeit in die sinn-stiftenden Sektoren einzutauchen. Die Mitarbeit in Startups bietet Einblick in diese oftmals lebendige Unternehmenkultur und die Produkte von morgen. Das Engagement in Hotels, Restaurants, Bar, Tauch- und Surfschulen sichert nicht nur das finanzielle Einkommen, es gibt auch Einblick in die Servicewelt. Es gib tausende Möglichkeiten, in andere Branchen und Kulturen einzutauchen. Die Kontaktaufnahme ist denkbar einfach, z.B. über soziale Netzwerke oder per E-Mail . Die Wahl für Restaurants & Co wird durch Bewertungsportals wie Tripadvisor erleichtert.

Zusätzlich hat man die Gelegenheit Kontakte zu knüpfen, nach interessanten Unternehmen Ausschau zu halten und langfristige Karriereperspektiven und Aufstiegschancen im Gespräch mit erfahrenen Mitarbeitern auszuloten. Selbstredend, dass die Arbeitserfahrung und das aufgebaute Netzwerk dabei hilft, in der neuen Branche/dem neuen Beruf, Fuß zu fassen.

3. Mut, Neugierde, Selbstbewusstsein zeigen

Sabbaticals sind sicherlich kein Urlaub von der Stange. Sie sind vielmehr ein Wunsch einzelner Berufstätiger, die dem Arbeitgeber und Chef rechtzeitig signalisieren, was ihnen wichtig ist. Und die dafür Mehraufwand in Form von Organisation, Übergabe, Regelung der Aufgaben übernehmen. Vorteilhaft ist, in den Erstgesprächen mit dem Chef Motivation und Verhandlungsgeschick an den Tag zu legen und vor allem zu wissen, was man will. Im Sabbatical selbst steht oftmals Reisen und, insbesondere bei Karrierewechslern, die Mitarbeit und der Austausch mit anderen Kulturen und die Beschäftigung mit sich selbst im Vordergrund. Projektarbeit wird organisiert, neue Kontakte geknüpft und neue Kulturen und Länder erkundet. Unsere Liste von Sabbatical-Stories (unten), zeigt, dass Menschen im Sabbatical Mut, Neugierde, Selbstbewusstsein an den Tag legen. Genau die Eigenschaften, die Führungskräfte im digitalen Zeitalter mitbringen sollten.

4. Versichert bleiben

Falls während des Sabbatical Lohnfortzahlungen vereinbart sind, erfolgen damit auch die Abführungen zur Sozialversicherung und die Organisation von privater Krankenversicherung und Co. entfällt. Die Lohnfortzahlung wird oftmals dadurch gesichert, dass einige Monate vor dem Sabbatical ein Teil des Lohns einbehalten wird (Ansparphase) und dieser während der Freistellung ausgezahlt wird. Damit bleibt während des Sabbaticals nicht nur ein planbares finanzielles Einkommen bestehen, sondern auch der Sschutz für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Ein Lesetipp zur Organisation des Versicherungsschutzes, falls es mit der Lohnfortzahlung nicht klappt auf experto.de.

5. Neuer Job, Altes Unternehmen

Ein unschlagbares Argument für ein Sabbatical ist die Möglichkeit, beim aktuellen Arbeitgeber zu bleiben. Vielleicht stellt sich während des Sabbatical heraus, dass das aktuelle Team doch ganz ok ist. Gegebenenfalls gibt es dort Weiterentwicklungen. Oder die gewonnen Erkenntnisse über die eigenen Stärken und Interessen geben Klarheit über den nächsten Karriereschritt und dieser ist genauso im aktuellen Unternehmen möglich. Vielleicht rücken andere Standorte oder Tochterfirmen in den Fokus. Hat man aktuell ein gutes Verhältnis zum Arbeitgeber, ist es grundsätzlich ratsam, sich alle Optionen offen zu halten. Insbesondere mit den neuen Erfahrungen und der zurück-gewonnen Gelassenheit und Motivation ist man beim alten Arbeitgeber sicherlich gerne gesehen.

Schlusswort

Ganz gleich, wie das Sabbatical konkret gestaltet wird, es bietet es eine großartige Hilfe für die Wahl des passenden Berufs.

Neugierig? Der Designer Stefan Sagmeister geht alle sieben Jahre für 12 Monate ins Sabbatical und teilt seine Erkenntnisse aus dem ersten um zweiten Sabbatical in einem TED-Talk (Link zu Youtube).

Wer den Schritt Richtung Sabbatical gehen möchte findet hilfreiche Tipps in unserem Interview mit Alexander Schabel, dem Gründer von Sabbatic.

Sabbatical-Stories

  • Im diesem Spiegel-Artikel berichten drei Berufstätige über ihr soziales Engagement während der Auszeit, oftmals außerhalb ihres eigentlichen Berufs. Sie erzählen, welches vorab die Hürden waren und wie die Auszeit ihre Karriere beeinflusste. Sabine, eine Managerin von HP, organisierte beispielsweise ein Malprojekt in einem afrikanischen SOS-Kinderdorf. Sie war zwei Jahre unterwegs und kehrte nach HP zurück. Der Fernsehserien-Autor Markus Böhlke unterrichtete in Schulen und einem Waisenhaus in Indien und Nepal und Ulrike Walter, eine Selbstständige, unterstütze vier Monate in New York das Büro eines Kunstprojekts für Jugendliche. Zum Artikel auf Spiegel Online.
  • ISF München, ein Institut für sozialwissenschaftliche Forschung zeigt die Story von drei Führungskräften von DB Schenker, Daimler und (nochmal) HP sowie einen Autor des Zeitverlags. Es zeigt sich, dass ein Sabbatical gerade auf Führungsebene nicht so einfach zu organisieren ist. Aber auch, dass es trotz kritischer Funktion trotzdem klappt. Wir wissen, dass im Grunde jeder ersetzbar ist. Der Artikel zeigt interessante Portrait von Führungskräften s, die zeigen, wie die Entscheidung für ein Sabbatical verlief, wie es gestaltet wurde und wie es nach der Rückkehr mit der bisherigen Karriere weiterging. Zum PDF des ISF München
  • Im Interview mit dem Berliner Blog PASSENGER X geht es um die Auszeit von zwei Münchnern. Sie, tätig als Motion Design/Animation Freiberuflerin und Er, IT-Projektleiter. Sie reisten in Südamerika bis das gesetzte Budget aufgebraucht war und berichten im Interview über den Entschluss, die Vorbereitung, Gespräche mit dem Chef und ihren Aktivitäten. Zum Artikel auf PASSENGER X.
Irina hat selbst einen abenteuerlichen Karrierepfad als Beraterin, Bankerin, Gründerin beschritten und in Myanmar, Kenia, Nigeria und Paraguay gearbeitet. Sie hat ihr Studium in BWL und VWL abgeschlossen und lebt zur Zeit in Berlin.
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