Von der Projektmanagerin im Finanzsektor zur Beraterin für 'new work'

Von der Projektmanagerin im Finanzsektor zur Beraterin für 'new work'

Nach meinem Studium in Groningen und London mit den Fächern BWL, Change Management und Organisationspsychologie beginn ich meine Karriere als Beraterin in einer Londoner Unternehmensberatung für digitales Banking. Wir haben für Banken Benchmarks zu ihrem Onlineauftritt erstellt und sie zu ihrer online- und mobile-Strategie beraten. Ich habe mich auf die Themen ‚Customer Journey‘ und ‚User Experience‘ spezialisiert. Es geht dabei um die Identifizierung von Optimierungspotenzialen auf der online- und mobile-Präsenz aus Sicht des Kunden. Daneben leitete ich Projekte zur Kontoeröffnung und internationaler Innovation.

Wechsel innerhalb der Beratungsbranche

Von dort wechselte ich in eine Amsterdamer Beratung, die sich auf Änderungstrategien für Finanzdienstleistern spezialisiert hat. Zunächst begleitete ich Projekte im Bereich Sales & Trading sowie eCommerce für Niederländische Banken. Später war ich zu den Themen Client Clearing und Regulatorik tätig.

Entdeckt habe ich dabei für mich das Thema Projektmanagement. Insbesondere die Aufträge in alteingesessenen Banken zur Neugestaltung des Projektmanagements, z. B. durch Scrum-Management waren sehr spannend.

Obwohl ich auf einem guten Weg zur nächsten Beförderung war, habe ich nach und nach realisiert, dass dies nicht der richtige Weg für mich ist. Die inhaltlichen Finanzthemen und die klassische Art und Weise von Arbeiten waren einfach nichts für mich.

Hierarchische Strukturen und wenig Freiraum waren nicht das Richtige für mich

Ich fühlte mich eingeklemmt in einer starren hierarchischen Struktur, die sehr stark auf Macht und Druck aufbaut, in der Mitarbeiterwertschätzung ein Fremdwort ist und keine Freiräume für eigene Ideen bleiben.

Und so begann ich ernsthaft über eine neue Karriere und einen Berufswechsel nachzudenken. Im ersten Schritt habe ich mit Freunden und Familie darüber gesprochen wie unglücklich und gestresst ich mich in meinem Job fühlte. Daraufhin habe ich ein Sabbatical beantragt und an einem Programm von „Escape the City“ (www.escapethecity.org)  teilgenommen. Dabei wurde immer deutlicher, dass meine Interessen eigentlich ganz woanders liegen. Ich erkannte, dass ein sicheres, hohes Gehalt und eine erfolgreiche Managementkarriere, bei der planmäßig ein Karriereschritt nach dem nächsten abgehakt werden konnte, einfach nicht meine Motivation waren. Viel wichtiger ist es für mich die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die Verbundenheit im Team und eine transparente Arbeitsweise.

Umsetzung meiner Interessen in meiner Karriere

Zurück im Job, habe ich mit Senior-Kollegen und meinem Partner über meine Vorstellungen gesprochen. Ich beschloss also mich beruflich zu verändern und startete einen Neuanfang. So entstand „TryWork“: Wir helfen Bewerbern und Unternehmen, sich über ein Interview hinaus kennen zu lernen, indem der Bewerber für einige Tage bis hin zu zwei Wochen im Unternehmen arbeitet. Denn auf diese Weise entstehen viel tragfähigere, persönlichere und damit effektivere Arbeitsbeziehungen. Außerdem gebe ich mit der Initiative „Purpose Works“ nun Schulungen für nachhaltige unternehmensinterne Teamentwicklung mit dem Ziel Arbeiten auf Augenhöhe und mehr Zufriedenheit bei der Arbeit, so wie ich es mir damals in meinem Beratungsjob selbst gewünscht hätte.

 

Irina hat selbst einen abenteuerlichen Karrierepfad als Beraterin, Bankerin, Gründerin beschritten und in Myanmar, Kenia, Nigeria und Paraguay gearbeitet. Sie hat ihr Studium in BWL und VWL abgeschlossen und lebt zur Zeit in Berlin.
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